Konzert - Juan Luis Guerra

08.08.2012 13:58 | Kategorie: Album

Juan Luis Guerra: Der Superstar des Merengue & Bachata - am 02. Juli 2012 in der Tonhalle München

Bild(er)/Album nicht gefunden.

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Die Warteschlange vor der Tonhalle ist wirklich beeindruckend lang - so etwas habe ich noch bei keinem Latin-Konzert gesehen! Das liegt natürlich am Star des Abends, denn der zig-fache Latin Grammy-Gewinner Juan Luis Guerra füllt in seiner dominikanischen Heimat mühelos ganze Stadien!

Da hat unsere quirlige Julia Rosa Santa Cruz von Latin Invasion Events auf jeden Fall wieder einen ganz dicken Fisch an Land gezogen ... :-) Und wenn so ein Superstar der lateinamerikanischen Musik für ein einziges Konzert nach Deutschland kommt, dann lassen sich die wahren Fans weder von langen Anreisen noch von ziemlich teuren Tickets abschrecken - sondern wollen dabei sein & mitfeiern!

Die gute Nachricht (für mich): Als Fotograf sollten mich die langen Schlangen eher peripher tangieren, weil ich mich nicht hinten anstellen, sondern mir nur mein reserviertes Ticket abholen muss. Die schlechte Nachricht (ebenfalls für mich): am VIP-Eingang kennt mich niemand, und an der Kasse gibt es heute gar keine Gästeliste ...
[Originalton Latina: "Ich will mein Ticket! Mein Name ist < ...>, ich steh' auf der Gästeliste!" - Kasse: "Wir haben heute keine Gästeliste." - Latina: "OK, dann kaufe ich eine Arena-Karte." Ich vermute, dass es wegen genau solcher Ereignisse keine Liste mehr gibt ...]

Dummerweise kann ich nun, berechtigter Anspruch hin oder her, nur vom Veranstalter persönlich eingelassen werden, aber leider ist Julia so kurz vor Konzertbeginn noch mit diversen höher priorisierten Herausforderungen beschäftigt ... aber es wird alles gut, als ich schließlich in ihrem Schlepptau an der Security vorbei in den Backstage-Bereich komme. Hier kümmern sich gute Bekannte um mich, die als fleißige Helfer hinter den Kulissen dafür sorgen, dass alle Probleme gelöst und Unmögliches sofort erledigt wird: sie sorgen dafür, dass die johlenden Gäste die Show bekommen, für die sie viel Geld gezahlt haben, und ich erhalte  meinen "Access All Areas"-Ausweis (die Banker unter den geneigten Lesern wissen, wie schwer heutzutage ein Triple-A zu bekommen ist ...)!

Bevor es mit dem Konzert los geht, treibt DJ David Munoz die gute Stimmung weiter voran, Abril Peltz präsentiert als Anheizer eine fetzige Zumba-Show, und ich freue mich über meine eigenen Konzert-Fotos in der Diashow :-) Ansonsten ist der Abend fest in dominikanischer Hand - neben Juan Luis Guerra stammen sowohl Andres Batista Santos von www.radiosaborlatinos.com, der als Conferencier durch das Vorprogramm führt, als auch Gensil Fermin mit seiner sehenswerten Rumba-Show aus der Dom Rep!

Nachdem wohl auch die letzten Wartenden endlich in die Halle gekommen sind, kann die Show beginnen - und ich wundere mich (völlig untypisch) zuerst einmal über die Besonderheiten des Star-Outfits ... mit seinem Vollbart, Schiebermütze und sandfarbener Outdoor-Jacke assoziiere ich ihn eher mit dem Typ "Landarzt im alten Volvo" ... damit ist er ein ziemlicher Gegenentwurf zu den Latino-Stars, die ich bisher kennengelernt habe - für die spielten Gel & Glitzer ein viel dominantere Rolle! Ehrlich gesagt - noch fällt mir die Vorstellung schwer, wie Juan Luis, ähnlich wie Mick Jagger oder Jon Bon Jovi, die Massen im Stadion in Ekstase versetzen kann ...

Aber ungeachtet aller Äußerlichkeiten haben wir es hier mit einem echten Star zu tun, der seine Zuhörer vom ersten Takt an fest im Griff hat und mitreisst - das dankbare Publikum macht es ihm aber auch einfach: die meisten Fans kennen alle seine Lieder auswendig, und sogar die Süddeutsche Zeitung findet die "Euphorie" bemerkenswert, die ihm "... bereits nach Sekundenbruchteilen für jeden (!) angespielten Song entgegenplatzt ..." (SZ, "Überirdisch" vom 03. Juli 2012, Kurzkritik von Jakob Biazza). Selbst ich als Juan Luis Guerra-Novize denke mir bei einigen Liedern "Hey cool, das kenn ich - wusste gar nicht, dass das auch von ihm ist!"

Getragen wird dieses Hit-Feuerwerk von seiner erstklassigen Begleitband "Los 4.40", die auch von der SZ in den höchsten Tönen bejubelt wird: die Jungs & 1 Mädel legen mit enormer Spielfreude ein knackscharfes Rhythmusfundament für ihren Chef, treten aber selber nur dann ins Scheinwerferlicht, wenn der Meister für einen Moment die Bühne verlässt ...

Dass Juan Luis Guerra ein Medienprofi ist, hatten die anwesenden Presse-Vertreter schon zuvor bemerkt, als ein Manager des Künstlers uns mitteilte, dass wir genau während der ersten drei Lieder aus der Pole Position im Fotografen-Graben fotografieren dürfen, dann sei Schluss, Punkt. So nutze ich die Gelegenheit, mit meinem "Access All Areas"-Pass auch auf den Balkon zu gehen, um ein paar schöne Panoramen von der ganzen Bühne zu schießen. Herzlichen Dank an dieser Stelle an jene Ladies, die mir gnädigerweise ihren (hart erkämpften) Platz in der ersten Reihe überlassen, damit ich mein Stativ an der Brüstung befestigen kann :-) Von hier oben sehe ich nun auch die im Hintergrund laufenden Videos von "Guerra TV" besser, die die Botschaften seiner Lieder medial unterstützen (OK, das ist nur eine Vermutung - denn noch reichen meine wenigen Brocken Spanisch kaum für tiefgründige Textanalysen ...). Bei den lautstark geforderten Zugaben greift Juan Luis Guerra schließlich noch selbst zur Gitarre und bringt dieses Konzert mit einigen gefühlvollen Balladen zu einem stimmungsvollen Abschluss.

Nachdem er die Bühne verlassen hat, ist das Ganze aber auch schlagartig vorbei - denn der große Künstler gibt sich leider nicht sehr volksnah und entschwindet directamente aus der Garderobe durch den Hinterausgang. Fotografen, Helfer, Mitwirkende und alle Chicas, die es in den Backstage-Bereich geschafft und auf ein Foto mit ihrem Star gehofft haben, stehen ratlos rum, und besonders die Dominikaner sind ziemlich enttäuscht darüber, dass sie mit ihrem berühmten Landsmann nicht wenigstens ein paar Worte wechseln konnten.

Keine Fotos mit Juan Luis Guerra? Das stimmt nicht ganz - man muss nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein: eine Freundin von mir arbeitet am Flughafen und bedient ihn am nächsten Tag am Check-In-Schalter - natürlich nutzt sie die Gelegenheit für einen Schnappschuss mit dem Superstar!